Guckt ihr euch auch manchmal in der Welt um, seht die ganzen Probleme mit Umweltverschmutzung, systematischer Volksverdummung, Krankheiten und Hunger, und denkt euch: „wir sind einfach viel zu viele Menschen auf der Welt!“? Es ist kontrovers, aber denkt doch einmal drüber nach: wenn wir nur aufhören könnten, ständig neue Menschen zu erzeugen, wären endlos viele Probleme gelöst und eine unglaubliche Menge an Leiden vermieden.

Menschenmenge

Antinatalismus bedeutet, dass man sich gegen die Erschaffung neuer Menschen ausspricht. Dass man es nicht gut findet, dass ständig neue Babys geboren werden. Dass man sich wünscht, weniger Leute würden Babys erzeugen, oder idealerweise vielleicht sogar, dass es gar keine neuen Menschen mehr gäbe! Ja klar, ich weiß was jetzt kommt: „Babys sind extrem süß, jeder liebt Babys, welche herzenskalten Unmenschen haben denn etwas gegen Babys?! Furchtbare Baby-Hasser!“ LOL.

Die Gründe für eine antinatalistische Haltung sind jedoch ganz andere, und ein Antinatalist ist auf gar keinen Fall automatisch ein Baby-Hasser. Die meisten, meine Wenigkeit inklusive, finden Babys und Kinder allgemein wunderbar, denn oft sind es einfach die besseren Menschen, jung und unverdorben wie sie sind. Die Befürwortung von Geburtenlosigkeit oder auch einer Reduktion von Geburten hat ganz andere Gründe, die man erst dann sieht, wenn man das „Große Ganze“ in Betracht zieht.

Eine der Begründungen für Antinatalismus ist der Umweltfaktor. Die Message ist inzwischen bei jedem angekommen: der Klimawandel ist echt, und er ist von uns Menschen verursacht, und er hat definitiv katastrophale Folgen nicht nur für die Menschheit, sondern auch für alle anderen Tiere, Pflanzen, sämtlich Ökosysteme und Klimazonen sind betroffen. Und zwar nicht erst in 100 Jahren, sondern jetzt. Veganer werden, nicht mehr fliegen, 3-Minuten-Dusche & Plastik vermeiden – klar, all dies hilft, um den Umweltkatastrophen entgegenzuarbeiten.

Das allerbeste, was man jedoch für den Umweltschutz tun kann, ist ganz einfach keine Kinder zu kriegen. Das argumentieren sogar die Klimaforscher Seth Wynes und Kimberly Nicholas, die im Jahr 2017 eine Studie hierzu veröffentlichten. Die Studie belegt, dass das Nicht-geboren-werden einer einzelnen Person signifikant mehr CO2-Emissionen einspart als viele andere Klimaschutz-Maßnahmen zusammen. Wir sind einfach zu viele, als dass unser Planet uns alle tragen kann. Zumindest nicht, solange wir alle so leben wollen, wie es in modernen Zeiten als angemessen angesehen wird.

Neben dem Umweltschutz gibt es natürlich noch andere, ethisch orientierte Begründungen für Antinatalismus. In der Philosophie des Buddhismus zum Beispiel wird schon seit Jahrtausenden die Perspektive angenommen, dass Leben Leiden bedeutet. Schmerzen, Krankheiten, Hunger, Kriege, Missbrauch, gebrochene Herzen – es ist wahr, das Leben ist voller Unschönheiten, Schwierigkeiten, Anstrengungen und Qual, und wer lebt, wird demnach unvermeidlich leiden.

Auch in Religionen wie Hinduismus und Jainismus möchte man den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt durchbrechen. Und Philosophen wie Arthur Schopenhauer und Philipp Mainländer erkannten ebenfalls den ethischen Wert des Antinatalismus.

Natürlich ist das Leben unter Umständen auch schön, aber das ist eben nicht versprochen – es ist nicht sicher, ob das Angenehme das Unangenehme wieder wettmachen wird. Jeder Mensch wird gezwungen, dieses Risiko auf sich zu nehmen und all diese Qualen des Daseins müssen wir erleiden, denn leider kann man ein ungeborenes Baby nicht fragen, ob es auf die Welt kommen will und sich den Tanz des Lebens antun will, oder nicht.

Viele Leute, die in ihrem Leben viele Qualen durchmachen, überlegen sich, dass es wohl besser wäre, wenn sie nie geboren worden wären. Aber ist man erstmal da, ist es zu spät, denn auch Suizid ist nicht wirklich eine Lösung, um weiteres Leiden zu vermeiden. Durch Suizid mag man zwar seine eigenen Qualen beenden, fügt aber dafür den Eltern und allen nahestehenden Menschen umso mehr Qualen zu. Und das will ja schließlich auch keiner. Die einzige Lösung für dieses Dilemma ist einfach, gar nicht erst geboren zu werden.